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Interview

Der Dirigent Heinz Walter Florin über die „Symphonie der Tausend“ und über sich selbst im Gespräch mit Günter NaweHerr Florin, im Juni 2009 werden Sie in der Kölner Philharmonie Gustav Mahlers 8. Symphonie dirigieren. Wie sind Sie gerade auf Mahler und diese Symphonie gekommen?Um diese Frage authentisch zu beantworten, muss ich etwas weiter ausholen: Ich neige aufgrund meiner Interpretationsarbeit dazu, musikalisch philosophische Linien und Entwicklungen über längere Zeiträume zu verfolgen. In diesem Fall ist dies eine Linie, die literarisch bei Goethe und musikalisch bei Beethoven, Schubert, Berlioz, und Liszt beginnt und in ihrer Entwicklung zunächst bei Mahler mündet. Meine intensive Beschäftigung mit den zuerst genannten Komponisten führte mich auch zu Mahler. Nachdem Beethoven in seiner 9. Symphonie und seiner letzten Klaviersonate Op. 111 musikalisch schon ins Jenseitige, Überirdische entrückt war, hatte die nachfolgende Generation an Komponisten gewaltige Schwierigkeiten, das Erbe fortzuführen. Berlioz und Liszt entwickelten die literarisch begründete Programmsymphonie, welche ihre Formgebung zunächst ihrer Erzählvorlage verdankte. Nach Berlioz wurde Liszt von der Vorlage zu Goethes Faust inspiriert. Dies führte zur Faust-Symphonie mit der musikalischen Charakterisierung von Faust, Gretchen und Mephisto sowie der Vertonung des Chorus Mysticus, den wir auch bei Mahler wieder finden. Als Pianist habe ich mich seinerzeit sehr mit Liszts h-Moll Sonate beschäftigt, die absolut von der Faustthematik durchdrungen wird, aber gleichzeitig den formalen Aufbau der Sonatenhauptsatzform beibehält, ja sogar die Mehrsätzigkeit gleichzeitig in einem Satz vereint. Dies führt nun in direkter Linie zu Mahler, der formal und inhaltlich gleiches zunächst in seiner 8. Symphonie vollbringt, das Gesamte in Ausdruck und Tonsprache aber auf eine Ebene hebt, dass einem der Atem vor Bewunderung stocken kann.Wenn ich kurz unterbrechen darf: Sie haben sich Mahler rein von der intellektuellen Seite her genähert?Ja und nein. Der Keim lag schon seit längerer Zeit in mir, bis ich im Spätsommer 2006 durch einen Zufall nach Maiernigg an den Wörthersee kam und Kenntnis davon bekam, man könne das Komponierhäuserl von Mahler besichtigen. Hier war es also, wo er die 8. komponiert hat, dachte ich bei mir, als ich in der beginnenden Abenddämmerung aus dem Fenster ins grüne Dickicht blickte. Das Geheimnis des "künstlerischen Schaffens" schien für einen kurzen Moment einen Einblick zu gewähren. War Beethoven nicht atemlos aus dem Wald gerannt? Hatte Miró nicht Stunden am Strand verbracht um seine Inspirationen zu bekommen? Wenn man den Aufruf des ersten Satzes der 8. Symphonie "Komm Schöpfer Geist" mit Leben erfüllen konnte, dann hier im wogenden Grün am Fuße der Karawanken. Seit dieser Zeit fühle ich mich gedrängt, das Werk mit den dort gewonnenen Einblicken, deren genaue Beschreibung den Rahmen hier sprengen würde, in klangliche Realität umzusetzen.

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Heinz Walter Florin

Dirigent Komponist Piano-Solo





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