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Erkenntnis ist eine Sache – die Konsequenzen daraus eine andere.Sie sehen mich also als einen Gefangenen unserer Zeit, der gegen die Windmühlen des kulturellen Zerfalls kämpft. Dabei gehe ich auf das breite Publikum zu und mache viele sogenannte Cross-Over-Programme, um neues Publikum für die großen Werke unserer Meister zu gewinnen. Die Wirkung derer ist nach wie vor so zeitlos, dass viele junge Zuhörer überrascht sind, wenn sie damit in Berührung kommen. Gleichzeitig muss man geschickt das zum Verständnis nötige Hintergrundwissen vermitteln. Die 8. Symphonie von Mahler bildet zum Beispiel einen Einstieg in sein Werk und macht neugierig auf mehr. Leider haben viele Kulturschaffende die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt.Das klingt mir aber sehr nach Kulturpessimismus?Nein, man muss das einfach als derzeitige Herausforderung sehen. Da im Laufe der Geschichte viele Kulturen erblühten und wieder vergingen, ist ein gewisser Zerfall Naturgesetz. Womit wir wieder eine Brücke zum Faust hätten, mit dem zerstörenden Geist, der in schlechter Absicht doch stets das Gute schafft.Es wäre nur wirklich schade, wenn das von großen Meistern kulturell Errungene und die damit verbundenen Erkenntnisse aufgrund mangelnder Gesellschaftspädagogik und Geldgier ins Abseits geraten würden. Immerhin verzeichnen wir aus der finanziellen Not geboren bei vielen Orchestern Konzerte mit Film- oder Computer-Spiel- Musik. Da es dort meistens eine enge stilistische Festlegung gibt, sind die Brücken zur traditionellen symphonischen Musik schwer zu bauen.) Was meinen musikalischen Fall betrifft gibt es immer Lösungswege. Ich habe mich zum Beispiel vor zehn Jahren, am Ende meiner Dirigentenausbildung, unter anderem für die künstlerische Leitung des Deutz-Chor Köln entschieden, der mir in einer Vielzahl von Konzerten hier in Köln ein Podium bot, meine Ideen im großen Rahmen zu verwirklichen und auszutesten. Dafür bin natürlich sehr dankbar, da man andernorts mit solchen Dingen zumeist auf große Widerstände stößt.So schrieb ich im Jahr 2003 eine Cross-Over-Symphonie, die ein Klangbild von Köln schuf.Durch die Einbeziehung von Elementen aus der populären Musik und der bekannten Gruppe "Bläck Fööss" gab es ein großes Publikum, das ein Stück hörte, welches in einer Collagentechnik durch viele orchestrale Stilrichtungen führte. Es gibt dort aber auch viele Passagen, die sich an Gustav Mahler anlehnen. Die positive Besucherpost bestätigte meine Absichten. Die gleichen Erfahrungen machte ich mit dem Bonner Beethoven Orchester und einem Cross-Over-Programm vor fast 100 000 Zuschauern.

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Heinz Walter Florin

Dirigent Komponist Piano-Solo





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